Gezwiebelt zwischen Bumms und Bi

Wenn eine Band, deren Musik man schon seit einigen Jahren und Lebensabschnitten sehr schätzt, eine neue Platte herausbringt, ist das oft ein schöner Prozess. Mal, weil es am Ende was Neues gibt, mal weil more of the same geboten wird. Doch zuvor steht da die erste Terminankündigung im Raum, die erste Single kommt, das Video, die Tourdaten. Und irgendwann liegt da der komplette Tonträger.

Im Falle der wirklich hervorragenden Tocotronic gibt es noch ein weiteres wichtiges Element im Ritual Neuerscheinung, die da plötzlichso neu und doch irgendwie vertraut klingt. Was wären Tocotronic ohne die handvoll Exegeten, ohne die sich uns das Werk nicht erschlösse, und die solch wunderbare Dialoge zum Vorschein bringen, wie zum Beispiel den bei “Spiegel Online“:

SPIEGEL ONLINE: Wer sitzt denn im Schloss?

Lowtzow: Dazu kann ich jetzt wirklich nichts sagen! Das wäre ja Selbstinterpretation. Wie Susan Sontag würde ich die Interpretation als geeignetes Werkzeug, um Texte zu erfassen, ohnehin in Frage stellen. Und das nun auch noch selber zu machen, das wäre so neurotisierend, da trägt man schwere Schäden davon.

SPIEGEL ONLINE: Manche Kritiker werfen Ihnen diese Verweigerungshaltung gerne vor.

Lowtzow: Aber deswegen ist ja nicht gleich alles doof. Es macht ja vielleicht sogar die Qualität der Sache aus, dass sie ein bisschen gezwiebelt ist.

SPIEGEL ONLINE: Zeilen wie “Lass mich dichten und diesen Staat vernichten” finden wir aber gar nicht so gezwiebelt.

Rick McPhail: Ist aber ein guter Reim!

Lowtzow: Es übersteigt unsere Kompetenz, die Sachen auch noch selbst zu erläutern. Man muss auch gar nicht mit Susan Sontag argumentieren. Ein erklärter Witz ist öde.

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